20190424_134034.jpg

Kirsten

Heberer

Organisationsentwicklerin mit Schwerpunkt 
Diversity und Inklusion

Frage: "Frau Heberer, wie lautet das  Motto  Ihrer Arbeit?"

Kirsten Heberer: "Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken,“ sagte der Gelehrte Galileo. Ich sehe darin meinen Arbeitsauftrag. Ich kann es auch kurzfassen: „Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die Bearbeitung der Prozesse kann nicht dadurch entstehen, dass die Menschen gesagt bekommen, wie es sein soll. Dieses Zitat trifft meines Erachtens auf sehr viele Lebens- und Arbeitsbereiche zu. Entwicklungsbegleitung, prozessuale Arbeit und Verbindung mit der eigenen Tätigkeit. Die vielfältigen Talente, Erfahrungen und Perspektiven der Menschen sind von unschätzbarem Wert. Deswegen ist es so wichtig, die individuelle Vielfalt wert zu schätzen, zu fördern und in das tägliche Handeln und Arbeiten zu integrieren. Ein wünschenswertes Ergebnis ergibt sich nur aus dem gewollten aktiven Engagement aller Beteiligten."


Frage: "Mit wem würden Sie sich gerne einmal unterhalten und zu welchem Thema?Kirsten Heberer: "Ich finde das Engagement vom Dalai-Lama sehr spannend. Ich würde gerne seine Überlegungen zur Inklusion und Diversity erfahren. Des Weiteren hätte ich gerne Alice Miller kennengelernt und mich mit ihr unterhalten. Sie schrieb u.a. das Buch: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst. Ich würde mich gerne mit ihr austauschen Gedanken zu der Zunahme an traumatisierten Kindern und ihren commitment issues, die demzufolge gesellschaftlichen Veränderungen. Was muss sich gesellschaftlich-politisch verändern, wie können die jungen Menschen auch einen Platz in der Berufswelt finden?"

Frage: "Wenn Sie in Ihrem Leben einen Tag noch einmal Leben und erleben dürften, welcher wäre das?"

Kirsten Heberer: "Das kann ich mir nicht gut vorstellen, es gab sehr wohl viele spannende und interessante Ereignisse und sognannte Meilensteine in meinem Leben, die mich sehr bewegt haben. Einzelne wiederholen? Nein-ich möchte gerne in die Gegenwart und Zukunft schauen. Was erlebe ich aktuell und bewegt mich, was wird mich künftig bewegen und berühren. Mit welchen Themen werde ich mich beschäftigen, welche Gespräche werde ich führen, was kann ich daraus lernen."

 

Frage: "Welches Buch/ welche Bücher haben ihr Leben bereichert?"

Kirsten Heberer: "Es gibt sehr viele Bücher, an den unterschiedlichsten Stationen in meinem Leben, die mich bewegt und berührt haben. Intensiv bewegen mich Biographien, bevorzugt arbeite ich mit Fachliteratur, die aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Ein paar Bespiele: Die Biographie von Leonardo da Vinci und Albert Einstein, die "Philosophie der Freiheit" von  Rudolf Steiner, "das wiedergefundene Licht" von Jacques Lusseyran, "Siddhartha" von Hermann Hesse

und die "Anleitung zum Unglücklich sein" von Paul Watzlawick "

Frage: "Gibt es in Ihrem Leben etwas, dass Sie heute anders machen würden?"

Kirsten Heberer: "Andere Entscheidungen mit dem heutigen Bewusstsein gibt es sicherlich einige. So hätte ich z.B. meinen Söhnen gerne noch mehr Wind unter ihren Flügeln gegeben und einiges pädagogisch anders gegriffen. Ich hätte ihnen als Kinder noch mehr Möglichkeiten geben müssen, ihre eigenen Fehler und Erfahrungen zu machen, um daraus zu lernen. Andererseits sind die meisten Lebensstationen natürlich auch Erfahrungswerte, die mich in meiner Entwicklung zu meiner heutigen privaten und beruflichen Position gebracht haben. Ich habe die meisten meiner Entscheidungen bewusst nach besten Kräften getroffen; jede Entscheidung hat mich an meinem roten Faden entlanggeführt."

Frage: "Frau Heberer, Sie sind auch als Speakerin auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen zu hören. Was sind ihre wirklichen Herzensthemen?"

Kirsten Heberer: "Passend zu meiner Bezeichnung als Diversity - Organisationsentwicklerin sind meine Vortragsthemen natürlich vielfältig und abwechslungsreich. Aber wenn Sie mich nach meinen Herzensthemen fragen, die kommen natürlich aus dem Bereich Kommunikation und Bildung mit den Schwerpunkten Binnendifferenzierung, Systemsprenger, Hochbegabung und Hochsensibilität."

Frage: "Wenn Sie ganz viel freie Zeit zur freien Verfügung hätten, wofür würden Sie sie nutzen?"

Kirsten Heberer: "Wahrscheinlich noch mehr lesen, geschichtsträchtige Orte mit meinem Mann bereisen und viele Blumen in meinem Garten pflanzen."
 

Frage: "Was ist ihre Motivation täglich aufzustehen?"

Kirsten Heberer: "Marc Twain sagte: "Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden." Das ist für mich sehr sinnig, ich wache in der Regel sehr früh auf und es entstehen sofort verschiedene Gedanken und Bilder. Ich freue mich diese zu bewegen und in den vielen Begegnungen in meiner Arbeit umzusetzen. Ich bin neugierig auf den Tag und offen für innovatives und kreatives Arbeiten und Erleben."
 

Frage: "Was an Ihrer Arbeit lieben sie?"

Kirsten Heberer: "Vorrangig die Interaktion mit Menschen und der Kommunikation. Kommunikation öffnet viele Türen und schließt möglicherweise genauso viele. Wird sie richtig eingesetzt kann etwas Einzigartiges, verständliches oder auch zukunftsträchtiges entstehen. Kommunikation wird wenig bewusst genutzt. Ich bringe gerne das Verständnis der Kommunikation nahe, dies berührt alle meine Arbeitsfelder und ist in jedem Prozess den ich begleite Bestandteil bzw. auch vornehmlicher Grund für Fehlleitungen.

Ich arbeite sehr gerne mit Menschen und ihren vielfältigen Fragestellungen. Mein Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“, macht dies deutlich. Dies ist sehr verständlich in meinem eingangs erwähnten Motto von Galileo. Das besondere an den Begegnungen und Begleitung ist, dass dies parallel ein Lernfeld für mich beinhaltet."
 

Frage: "Sie haben ja lange mit Schülern, die nicht ins „System“ passen gearbeitet. Wie muss ein System geschaffen sein, dass Inklusion und Vielfalt gelingt?"

Kirsten Heberer: "Das ist eine sehr wichtige Frage und voraussichtlich unsere Zukunftsaufgabe. Zunächst braucht es Zeit, keine weiteren Überstürzungen, die Leittragenden sind die Kinder. Der Inklusionsgedanke ist der erste Schritt, jedes Kind kann und darf den Platz bekommen, den es sich bzw. die Eltern wünschen. Dazu braucht es verschiedene Systeme und Angebote, für die Vielfalt der verschiedenen Kinder und Jugendliche. Schaue ich auf die Systeme kann ich sagen, dass es nicht nur ein Inklusions- und Diversity System geben kann. An jedem Ort/Bereich sind unterschiedliche Voraus-setzungen und Fragestellungen, diese können nicht einheitlich durchdrungen werden. Darin liegt die Fragestellung, was wird in der Einrichtung, Organisation, Schule oder dem Unternehmen gebraucht um damit umzugehen. Nicht um die Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen mit den verschiedensten Themenstellungen an das derzeit gültige System anzupassen, sondern die Systeme auf diese Menschen zu öffnen und einzustellen. Das wäre meiner Meinung ein möglicher Weg. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends verändern unsere Arbeitswelt. Demografische Entwicklung, Globalisierung, Wertewandel, sinkende Erwerbstätigenzahlen, ein wachsender Anteil erwerbstätiger Frauen, mehr Menschen mit Migrationshintergrund – das sind die Bedingungen, unter denen Unternehmen und Institutionen heute agieren. Ihr Erfolg hängt davon ab, wie sie sich in globalisierten Wirtschaftsströmen und im Wettbewerb um qualifiziertes Personal behaupten können. Diversion in der Organsiations-entwicklung hilft, auf diese Trends zu reagieren. Mehr noch: Es zeigt Wege auf, sie zu nutzen."
 

Frage: Eine Frage noch zum Schluss. Auf Ihrer Homepage sind Fotos mit ganz unterschiedlichen Stühlen und Stuhlanordnungen zu sehen, können Sie uns Etwas dazu erzählen…?

Kirsten Heberer: "Die Stühle sind für mich ein sehr effektives und erfrischendes Sinnbild. Ich arbeite mit den unterschiedlichsten Personen in verschiedensten Situationen. Dies braucht auch entsprechende Sitzgelegenheiten, bzw. Stühle! Stühle kann ich in jeder Position verändern - diese Beweglichkeit muss und will ich auch in meiner Tätigkeit haben. Ganz wunderbar ist das erste Bild mit den fliegenden Stühlen. Das soll nicht heißen, dass in meiner Arbeit fliegende Stühle vorkommen, in jedem einzelnen Arbeitsbereich ergibt sich eine andere Ordnung. Stühle heißt auch aufstehen und die Position verändern, von einem anderen Standpunkt aus betrachten und agieren. Ich erlebe mich auch selber in den verschiedenen Stühlen in ihren unterschiedlichsten Anordnungs- und Erscheinungsmöglichkeiten. Zugleich entsteht eine gewisse Struktur und während einer Organisationsentwicklung, Arbeit oder Mediation ordnen sich diese Stühle nach Bedarf, es entstehen neue Standpunkte. D.h. aus „fliegenden Stühlen“ entstehen Begegnungen und Prozesse. Zum Bespiel in einer Schulung erhalten sie eine ganz andere Position, als in einem Coaching usw.. Es gibt einfach ganz viele, wunderbare Metapher für die Stühle." 

Kirsten Heberer ist Diplom Sozialpädagogin, Fachreferentin für Inklusion und  arbeitet als Organisations-entwicklerin mit Schwerpunkt Diversion. Zusätzlich ist Kirsten Heberer als Expertin für "Systemsprenger" als Beraterin für Schulen im Arbeitsteam von Myndun e.V.